Einem unbekannten Holzschnitzer

Künstler, die mit Holz arbeiten, gibt es viele in den kleinen und großen Galerien der Welt.
 
Bei religiöser Kunst wird der Kreis schon etwas kleiner. Sicher, es gibt die traditionellen 08/15-Darstellungen von Jesus, Maria und den Heiligen – die sind in der Regel aber genauso seelenlos wie es das Talent des Erschaffers wohl war.
 
Dann gibt es da noch das handgeschnitzte Holzkreuz mit dem Korpus Christi, das über Generationen über dem Esstisch meiner Familie hing und nun die Besucher meiner Wohnung empfängt.
 
Der Künstler ist unbekannt. Das Kreuz selbst aber ist ein Meisterwerk. Weniger wegen seiner tadellosen handwerklichen Kunstfertigkeit als seiner Ausstrahlung. Der Kopf des Gottessohnes ist zur Seite geneigt, als wäre er eben gestorben. Trotzdem scheint er den Betrachter beinahe wie Mona Lisa aus jeder Perspektive anzusehen.
 
Dieses Kreuz hat Generationen begleitet und fasziniert. Menschen sind regelmäßig vor ihm gestanden und haben gebetet. Zu religiösen Festen wurde es entsprechend geschmückt. Es war der Mittelpunkt des Familienlebens – und ist der Mittelpunkt meines Lebens. Was mehr kann sich ein Künstler wünschen? Wie viel mehr kann Kunst erreichen?
 
Sieht man näher hin, erkennt man, dass das Kreuz und der Korpus mit einem groben Holz geschnitzt wurden. Wahrscheinlich von einem einfachen Menschen aus dem Volk. Etwas anderes hätten meine Eltern sich auch nicht leisten können. Ein einfacher Mensch wie Petrus, der Fischer. Oder Jesus, der Zimmermann. Gerade deshalb aber kommt dieses Kreuz dem wirklichen Jesus aber so nah. Du blickst es an – und Er blickt direkt in dein Herz.
 
Im Vergleich dazu verblasst all die teure, nichtssagende Möchtegern-Kunst, die in deutschen Bürohäusern ausgestellt wird, zu nichts und zerfällt zu Staub.
 
Wo sind die Künstlerinnen und Künstler, die noch das schaffen, was Kunst eigentlich erreichen sollte – das Herz und die Seele der Menschen ihr ganzes Leben hindurch zu durchdringen?
 
Ich habe mein perfektes Kunstwerk gefunden.