Heilpraktiker-Check

Heilpraktiker – Quacksalber oder eine sinnvolle Ergänzung zur medizinischen Versorgung?
 
Heilpraktiker gibt es mittlerweile selbst in Kleinstädten zuhauf. Entsprechende Ausbildungsinstitute boomen. Was ist dran am alternativen Therapie-Markt?
 
Kaum eine Zeitung, kaum ein Bildungshaus kommt mehr ohne die Angebote von Heilpraktikern aus. Vom Psycho-Markt über Shiatsu, Reiki bis hin zur Homöopathie und Schüssler-Salzen findet sich ein zunehmend unübersichtliches Angebot, in dem sich Laien kaum mehr zurecht finden.
 
Ein Heilpraktiker übt berufsmäßig Heilkunde aus und bedarf hierfür der staatlichen Erlaubnis. Bisher konnte man sich im deutschsprachigen Raum nicht auf ein einheitliches Vorgehen einigen: Während es in der Schweiz ein entsprechendes Berufsbild gibt, dürfen in Österreich nur Ärzte bzw. Psychotherapeuten heilkundlich tätig sein. Eine Tätigkeit als Heilpraktiker ist dort verboten, was vom Europäischen Gerichtshof ausdrücklich als zulässig beurteilt wurde.
 
Das für die Tätigkeit in Deutschland zugrunde liegende Heilpraktikergesetz stammt noch aus dem Jahr 1939.
 
Wenn Sie sich für eine Behandlung bei einem Heilpraktiker entscheiden, sollten Sie folgende Punkte überprüfen:
 
– Wurde eine mehrjährige Ausbildung abgeschlossen? Machen Sie sich über das Ausbildungsinstitut kundig!
– Werden laufend Fortbildungen besucht? Wo und welcher Art?
– Sind die angewandten Methoden wissenschaftlich anerkannt? Im Zweifel erkundigen Sie sich ruhig bei Ihrer Krankenkasse oder bei einem Arzt bzw. Psychiater oder Psychologischen Psychotherapeuten.
– Machen die Praxisräume einen sauberen und gepflegten Eindruck?
– Sehen Sie sich in den Behandlungsräumen um! Oft geben ausgelegte Flyer einen Eindruck über Einstellung und Überzeugung des Heilpraktikers.
– Seit wann praktiziert der Heilpraktiker schon?
– Ist er Mitglied in einem Heilpraktiker-Verband?
– Warum wollen sie sich eigentlich von einem Heilpraktiker behandeln lassen?
– Eine Behandlung beim Heilpraktiker sollte eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung bestenfalls ergänzen, aber niemals ersetzen! Erzählen Sie Ihrem Arzt oder Therapeuten, dass Sie zu einem Heilpraktiker gehen!
 
Eine Reform des Heilpraktikergesetzes und eine Vereinheitlichung der Ausbildung sowie der laufenden Fortbildung sowie eine staatliche Kontrolle derselben sind dringend erforderlich. Wenn man denn den Heilpraktiker-Beruf überhaupt für nötig erachtet. Leider gibt es auf diesem Gebiet auch Scharlatane, die völlig wirkungslose oder gar schädliche Methoden anwenden. Das Ganze ist allerdings ein enormes Geschäft – für die Ausbildungsinstitute und (wenn auch aufgrund der Konkurrenz sehr eingeschränkt) für die Heilpraktiker selbst. Für die Heilkunde auf medizinischem oder psychotherapeutischen Gebiet gibt es entsprechende, klar geregelte Berufe. Wer möchte, kann sich darüber hinaus auf weiteren Fachgebieten fortbilden. Es gibt also eigentlich keinen einzigen vernünftigen Grund für die Existenz von Heilpraktikern. Österreich hat dies erkannt und ein für allemal Schluss damit gemacht.
 
Fakten: Momentan gibt es in Deutschland ca. 45.000 Heilpraktiker, die in einer Reihe von Verbänden organisiert sind, die teils auch Schulen unterhalten. Fünf der Verbände arbeiten im Dachverband Deutscher Heilpraktiker-Verbände (DDH) zusammen. Ein Heilpraktiker darf keine verschreibungspflichtigen Medikamente verordnen, er darf keine Geburtshilfe leisten oder bestimmte Infektionskrankheiten behandeln. Für den Heilpraktiker-Beruf reicht ein Mindestalter von 25 Jahren, ein Hauptschulabschluss, die gesundheitliche Eignung und „sittliche Zuverlässigkeit“ sowie das Bestehen einer schriftlichen und mündlichen Prüfung. Eine abgeschlossene Ausbildung muss nicht nachgewiesen werden. Die Qualität einer Ausbildung unterliegt keiner staatlichen Kontrolle. Möglich ist gemäß Heilpraktikergesetz die Erteilung einer unbeschränkten oder beschränkten Tätigkeitserlaubnis (letztere dürfen sich aber nicht Heilpraktiker nennen). Die Heilpraktiker-Verbände haben sich mittlerweile auf eine Berufsordnung geeinigt, die jedoch nur für deren Mitglieder Gültigkeit besitzt. Heilpraktiker unterliegen nicht (!) der strafrechtlichen Verschwiegenheitspflicht und haben kein entsprechendes Zeugnisverweigerungsrecht. Sie schließen einen Behandlungsvertrag mit dem Klienten ab und unterliegen den Bestimmungen des Heilmittelwerbegesetzes.