Aufnahmestopp!

Aufnahmestopp! Das habe ich eben an der Tür eines örtlichen christlichen Alten- und Pflegeheims in München gelesen. Dort hing ein Schreiben aus, dass man keine neuen Bewohner/innen mehr aufnehmen könne, da zwei examinierte Pflegefachkräfte das Haus verließen und neue nicht zu bekommen waren. Sie finden einfach keine bezahlbare Wohnung. Das ist eine Schande für die ganze bayrische Landeshauptstadt, die diese Entwicklung seit Jahren kennt und ihr Bauprogramm einfach nicht den Bedürfnissen der Münchnerinnen und Münchner anpasst. Bezahlbaren Wohnraum zu finden ist hier offenbar unmöglich – was sich mittlerweile zu einem gewaltigen Standortnachteil für die örtlichen Unternehmen auswächst. Das ist aber auch eine Schande für die Kirchen, die einen enormen Liegenschaftsbestand haben. Auch dort sind die Preise nicht gerade niedrig, was damit begründet wird, dass man mit den Spendengeldern wirtschaftlich umgehen und mindestens die örtsübliche Miete verlangen müsse. Abgesehen davon, dass der Mietspiegel nicht für Neuvermietungen gilt, wird auch dieses “mindestens” oft dehnbar gesehen. Fakt ist, dass die Kirchen die meisten dieser Liegenschaften geerbt haben, also umsonst bekommen haben. Fakt ist außerdem, dass sie steinreich sind (allein die Erzdiözese München und Freising hat nach eigenen Angaben ein Vermögen von ca. 5,5 Milliarden Euro – ohne die Stiftungen). Man kann also darüber hinaus durchaus verlangen, dass sie einen Teil ihres Vermögens für den Neubau von Wohnungen ausgeben. Das ist nicht ihr Kerngeschäft? Ist es doch! Die Bergpredigt ruft dazu auf, Bedürftigen beizustehen – und Menschen, die keine Wohnungen finden, sind allemal bedürftig. Auch sollten die Kirchen alternative Wohnmodelle entwickeln, die ihren christlichen Charakter widerspiegeln – und nicht wie bisher in Konkurrenz zum freien Wohnungsmarkt treten. Viele Angestellte der Kirchen in höheren Positionen sowie deren Geistliche (etwa Bischöfe) verdienen teils ungeheure Gehälter. Wie wäre es denn, wenn sie freiwillig auf einen Teil davon zugunsten der wirklich Bedürftigen verzichteten? Es ist immer leichter, schön dastehen zu wollen, indem man andere dazu auffordert, etwas zu tun oder zu lassen. Hier bietet sich mal die Chance, selbst die Armut und das geschwisterliche Teilen zu leben, zu der uns Jesus Christus ruft!